Dienstag, 3. Oktober 2017

Ach ihr lieben Horrorclowns...

Ich bin verliebt. Naja. Also nicht verliebt. Eher verzückt. Und zwar von Horrorclowns. Das, was andere in Angst und Schrecken versetzt, bringt mir ein zufriedenes Lächeln. Letzten Samstag war ich in "Es". Ich gebe zu, das Buch vorher nicht gelesen zu haben, aber trotzdem wollte ich den Film sehen. Pennywise lächelt einfach zu verschmitzt von den Plakaten und im Trailer... Und ich wurde wirklich nicht enttäuscht! Der Film ist gut. Wirklich. Liest man andere Kritiken, ist die Meinung geteilt. Zu langweilig. Zu langatmig. Zu viel Witz in einem Horrorfilm. Für mich ist er genau nach meinem Geschmack. Ich mag keine Splatterfilme. Eher den schönen Nervenkitzel eines Thrillers, bei dem sich der meiste Horror im eigenen Kopf abspielt. The Others, The sixth sense, Die Frau in Schwarz, Insidious,... Um nur einige tolle Filme zu nennen. Und jetzt Es. Der Film ist eine tolle Mischung aus allem. Blut, Witz, Psycho, Ekel. Und eben Pennywise :) Jedes mal, wenn er auf dem Bildschirm als Clown auftauchte, war ich verzückt. Der Schauspieler hat es einfach drauf, dieses Psycholächeln des Clowns aufzusetzen. Es hat ein bisschen was vom Stil von Jim Carrey. Als Grinch hatte er auch dieses Grinsen. Und genau das ist es, was ich an Horrorclowns so mag. Sie sind von Grund auf böse, aber dabei doch so unfassbar verrückt sympathisch. Man könnte fast meinen, ich wäre genau so verrückt, weil ich diese Clowns so mag :) Stimmt vielleicht auch. Aber vielleicht habe ich auch einfach nur eine Schwäche für psychisch angeknackste Persönlichkeiten, die ihren eigenen Weg gefunden haben - und sei es auch als bitterböse Figur. Mit meiner Meinung zu Horrorclowns scheine ich auch keineswegs alleine dazustehen. Bestes Beispiel: Eddie aus Walibi Holland. Ich durfte ihn vor 4 Jahren oder so persönlich sehen im Park. Und wisst ihr was da los war? Es standen massig Kinder um ihn rum, um ein Foto mit ihm zu machen. Und nicht nur Kinder. Wenn man ihn gesehen hat, müsste man meinen, dass die Kleinen schreiend vor ihm weg rennen. Spitze gelbe Zähne. Tiefes furchiges Gesicht. Gelbe blitzende Augen. Er sieht alles andere als lieb aus. Aber er ist sympathisch! Gut, er tötet Menschen... Aber jeder hat Fehler ;) Diese Figur ist einfach so toll inszeniert, dass man ihn einfach mögen muss. Nicht ohne Grund wird er in nationale TV Shows geladen, obwohl er eigentlich "nur" eine Horrorfigur eines Freizeitparks ist. Und ich mag ihn auch. Und Pennywise. Und viele andere Horrorclowns. Nennt mich ruhig verrückt! Ich tu es selbst auch ;)

Sonntag, 24. September 2017

Gedanken...

Tja... Ein großer Tag in Deutschland. Ein großer Tag für die Demokratie. Und leider ein großer Tag für die AfD. Ich bin keine große Rednerin in politischen Dingen. Komplett ahnungslos bin ich in der Thematik ganz bestimmt nicht, aber eigentlich halte ich mich bei Wahlen vorher und nachher raus aus öffentlichen Bekundungen. Da ich aber gestern einen Ort deutscher Geschichte besucht habe, der mich mehr als glücklich schätzen lässt, in der heutigen Zeit zu leben und mich das bisherige Ergebnis unserer Wahl mehr als schockiert, muss ich doch ein paar Gedanken loswerden.

Gestern habe ich mit meinem Freund das KZ Ravensbrück besucht. Dieser Ort ist bedrückend. Ich hatte noch nie so viele Gedanken auf einmal. Mitleid, Hass, Wut, Unverständnis, Trauer, Ekel aber auch Glück, Freude und Hoffnung. Glück darüber, in der heutigen Zeit leben zu dürfen. Freude, dass wir in einer Demokratie selbst mitentscheiden dürfen, wer uns regiert. Hoffnung auf ein Leben, ohne Fremdenhass, in der so etwas wie vor ca. 70 Jahren nicht mehr passiert. Und heute? Höre ich einen Satz der AfD, der ungefähr so lautet: "Wir werden Frau Merkel jagen. Wir werden uns unser Land zurückholen!". Ich habe diesen Satz gerade gehört und eine Gänsehaut bekommen! Irgendwie erinnert mich das an eine ganz dunkle Zeit...
Liebe Wähler der AfD: Tickt ihr noch ganz sauber? Ist euer Ziel erreicht? Das, was ihr wolltet? Hört ihr dieselben Worte wie ich? Macht euch dieser, Entschuldigung, verbale Dünnschiss keine Angst? Ihr könnt mir doch nicht wirklich erzählen wollen, dass euch das Hoffnung auf ein besseres Deutschland macht!
Ich habe eben mit meinem besten Freund über das Wahlergebnis gesprochen. Und er hat einen wahren Satz gesagt: "Aber wir müssen alle zusammen halten, dass rechts nicht lauter wird". Ich finde das ist ein toller Abschlusssatz für heute. Ich bin gespannt was da auf uns und unsere Regierung zu kommt.

Freitag, 2. Juni 2017

Die folgenden Bahnen verzögern sich - Und ich bin schuld!

Ach... Mensch... Wisst ihr, manchmal ist es schade, dass ich so gut erzogen wurde. Gerade steige ich in die Bahn nach Hause, als im Vierer vor mir ein Mann aussteigt. Ein anderer Mann schräg gegenüber ruft ihm freundlich zu: "Eeeeyy!!!". Schnell schaue ich auf den Sitz des Mannes, der soeben die Bahn verlassen hat und sehe einen 20€ Schein. Ich schnappe mir den Schein und rufe aus der Bahn dem Mann zu, dass er etwas verloren hat. Der Mann hört aber nicht. Schnell stecke ich den Arm in die sich schließende Tür und rufe nochmal. Nix. Der Geldschein in meiner Hand kam nicht zu seinem Besitzer zurück. Die Tür schließt sich endgültig und die Bahn fährt los. Kurz ärgere ich mich, dass ich nicht ausgestiegen bin und die nächste Bahn 10 Minuten später genommen habe. Hauptsache der Mann hätte sein Geld bekommen. Ich bin aber in der Bahn geblieben. Gut. Dann wenigstens das Geld beim Fahrer abgeben, denke ich mir. Aber: Der Mann, der so fürsorglich "Eeeeeyyy!" schrie, anstatt selbst dem Mann zu folgen, steht auf einmal hinter mir und hält mir seine geöffnete Hand hin. "Danke! Hab ich gefunden! Dat is dir wohl klar, Liebchen!" Ich entgegne nur: "Sie haben den Schein entdeckt. Stimmt. Aber er gehört Ihnen genau so wenig wie mir." und gehe weiter zur Fahrerkabine. Der Typ folgt mir und fällt wieder in seine äußerst nette "Eeeeyyy-Schiene": "Jetzt hör mal zu. Gefunden ist gefunden. Das ist meins, verstehste?! Also her damit!!!" Da der gute Mann anscheinend nur seinen eigenen Ton versteht, antworte ich in meiner charmantesten Art: "Nix da! Das gehört dir nicht, verstanden? Ich gebe das Geld jetzt beim Fahrer ab! Deinen heutigen Alkoholvorrat musst du dir anders finanzieren. Verstanden??" und kurz bereue ich den Satz, denn die Bierflasche in seiner Hand kommt meiner Nase auf einmal gefährlich nah... Kurz gucke ich in die Runde und hoffe auf Hilfe anderer Fahrgäste. Aber nix da. Mich würde es nicht wundern, wenn von der Aktion demnächst ein Video auf YouTube erscheint. Ich sehe nämlich nur in ihr Handy vertiefte Menschen. Aaaarrrgh!!! Ich überlege kurz aufzugeben und dem Typen einfach das Geld zu geben, aber nein!! Er hat das Geld nicht verdient. Ein höfliches "Eeeeyyy!!" verdient einfach keine Belohnung. Zum Glück geht die Fahrertür auf und der Fahrer guckt nach, was da in seiner Bahn los ist. Gott sei Dank!!!! Ich schildere ihm kurz die Situation und befürchte schon, er sagt ich solle dem äußerst netten Gesellen das Scheinchen geben, damit Ruhe ist. Aber nö! Ich habe einen tollen Fahrer erwischt, der Mr. Höflichkeit himself die Leviten liest. Und zwar in seiner Muttersprache. Etwas anderes hätte der Typ ja eh nicht verstanden... "Jung, jetzt halt den Ball flach!!! Hinsetzen, Schnauze halten und lass mir die Frau in Ruhe! Das Geld nehme ich!". Daraufhin gab Mr. Charming allerdings nur weitere Nettigkeiten zum Besten. So gab er mir den Spitznamen "Olle Funz!" (für die Nicht-Kölner: Funz = Fot*e. Ihr versteht...) und dem Bahnfahrer den netten Namen "Wich**r". Unter anderem. Ich muss dazu sagen, dass die Bahn während unserer netten Liaison natürlich nicht weiterfahren konnte. Wir standen also mehrere Minuten an der Haltestelle und stauten den kompletten Verkehr hinter uns. Und zwar so lange bis die KVB-Sicherheit ankam und Mr. Charming in Empfang nahm. Nachdem der Mann entfernt war, ging der Fahrer auf mich zu und hielt mir den Schein entgegen: "Hier Mädchen. Den hast du dir verdient!". Als ich aber weiterhin dankend ablehnte mit dem Hinweis auf das bevorstehende Karma, lächelte der Fahrer nur, ging in seine Kabine und fuhr mich "nach Hause". Glaubt mir, sowas brauche ich auch nicht nochmal... Aber ich fühle mich gut! Und wer weiß, vielleicht meldet sich der "Verlierer" ja bei der KVB und bekommt sein Geld. Wünschen würde ich es mir.

Freitag, 3. März 2017

Willkommen zurück, liebe Pappnase!

Aschermittwoch ist nun schon 2 Tage vorbei. Und irgendwie fehlt mir was! Das letzte lange Wochenende war vollgepackt mit Karneval! Ich hatte mir zwar vorgenommen dieses Jahr wieder etwas zu feiern, aber dass es so "eskaliert" war definitiv nicht geplant! Donnerstag ging es los mit Karneval auf der Arbeit. Meine Güte, was habe ich mich auf das Verkleiden gefreut! Da ich in einer Bank arbeite, entschied ich mich für das "kleine Schwarze" mit weißem Tüllrock drunter, meinem pinken Hütchen und natürlich rote Nase! Bankgemäße Verkleidung, wie ich finde :) Arbeiten musste ich trotzdem und danach ging ich auf die betriebsinterne Feier um später dann weiterzuziehen. Erster Tag: Abgehakt!
Freitags nach der Arbeit wollte ich eigentlich Zuhause bleiben. Aber es kribbelte in den Füßen. Spontan schmiss ich mich wieder ins Kostüm, bin nach Köln und verabredete mich spontan mit Freunden. Es ging auf eine wunderschöne Party der KJG in Ehrenfeld, auf die wir 2 Stunden in der Kälte warteten, um rein zu kommen. Es war eine so tolle Party! Nicht ohne Grund, war ich erst um 5 Uhr morgens im Bett. Sonntag ging es weiter.
Eigentlich wollte ich erst abends los. Mittags klingelte aber mein Handy. "Stina! Wir haben noch eine Karte! Zieh dich um und komm sofort zum Tanzbrunnen!". Und ich dachte mir, okay! Umziehen und schminken in 10 Minuten! Gekonnt ist gekonnt! Ich war also mega spontan auf einer Party im Tanzbrunnen mit diversen Bands. Höhner. Paveier. Klüngelköpp. Cat Ballou. Ich hatte bisher nichts von der Tärää-Party gehört und war echt überrascht vom Programm dort! Für 11€!!!! 6 Stunden Programm. Wieder mega spät lag ich im Bett, um am Montag wieder früh raus zu müssen. Rosenmontag in Köln!!!! Ein letztes Mal verkleiden und schminken. Bis um 19 Uhr stand ich in der Kälte. Total müde. Mit Kater. Es war einfach grandios!

Was ist also das Fazit dieser Session? Welcome back, Pappnasentrine!!! Sie lebt also doch noch. Und wisst ihr was? Ich freue mich total! Ich hatte so tolle Tage. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so oft und so lange unterwegs war... Ich glaube noch nie! Karneval ist toll. Punkt. Vor allem, wenn man mit richtig tollen Menschen zusammen feiert. Ihr Lieben: Danke, dass ihr mich mitgezogen habt :-* Das war das, was ich gebraucht habe.

Dienstag, 14. Februar 2017

Valentinstag!!??

Es ist der 14. Februar. Und was "feiern" wir an diesem Datum? Es ist nicht nur der Tag vor dem Hochzeitstag meiner Eltern. Nein. Es ist Valentinstag. Der erste Valentinstag seit 2 Jahren, den ich als Single begehe. Jetzt könnte man meinen, ich verkrieche mich heulend aufs Sofa und verfalle in totale Melancholie. Oder ich nehme mir vor, die berühmten glücklichen Pärchen im Park zu vergiften. Aber nein. Mir ist heute morgen eine ganz wichtige Person eingefallen, an die ich heute denken möchte. Eine Person, die ich sehr sehr gut kenne, aber massiv vernachlässigt habe die letzten 2 1/2 Jahre. Die vielleicht wichtigste Person in meinem Leben. Ich habe sie außer Acht gelassen und ignoriert. Ohne zu merken, wie sehr sie mir fehlt! Einfach weitergelebt ohne Zweifel daran, dass ich mit ihr besser dran bin und sie mir einfach nur gut tut. Die Person, die mir Mut gemacht hat, auch in den schwierigsten Zeiten. Die mir neben vielen anderen geholfen hat, aus einem sehr tiefen Loch zu kommen. Eine Person, der ich es verdanke, nun 40kg weniger zu wiegen, weil sie mir gezeigt hat, wie ich durchhalte und es heute wieder tut. Die mir bewusst gemacht hat, dass ich toll bin. Das ich hübsch bin und mir Selbstvertrauen gegeben hat.Und zu guter Letzt auch und vor allem die Person, die mir gezeigt hat, dass ich mich nicht verstellen muss, um Anderen zu gefallen. Ich meine die Person, die genau so aussieht, wie ich, aber immer irgendwie positiver denkt als ich es tu. Ich meine mein wahres Ich. Meine Persönlichkeit und mein Spiegelbild. Irgendwann kam der Zeitpunkt, in der sie mir zeigte, dass ich nicht mehr ich selbst bin. Und dafür bin ich ihr mehr als dankbar! Liebes "Ich", Danke, dass ich wieder zu dir finden durfte und damit zu mir selbst. Du bist mir wichtig! Ich möchte, dass du das weißt.

Auch wenn es egoistisch klingen mag, jeder sollte sich lieben. Ich kann von mir behaupten, dass ich es (endlich wieder) tue.

Ihr wunderbaren Leute da draußen, habt einen schönen Valentinstag :)

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Ich habe ein Problem...

Liebe Menschen. Ich habe wirklich ein Problem. Wenn ich shoppen gehe, fällt es mir ziemlich leicht. Ich habe genau eine Abteilung, in der ich etwas finde. Begrenzt auf wenige Regale - die Übergrößen. Dort sind mal mehr und mal weniger hübsche, aber immer funktionelle Kleidungsstücke. Und mittlerweile sind die Teile größtenteils wirklich modisch! Vorbei ist der "Sackzwang" ab Größe 48. Eben wollte ich auch schnell mal kurz nach einer Hose gucken. Ich also ab in die altbekannte Abteilung und zu den Hosen. Und was soll ich sagen? Ich hab nix gefunden! Und warum? Es war mir dort alles zu groß! Ich bin fast verzweifelt!
Das kannte ich bisher nicht. Es waren wie fast immer drei schöne Jeans zur Auswahl. Normalerweise wird dann nach der passenden Größe geguckt und gut. Jetzt holte ich mir meine eigentlich immer passende Größe raus. Sie sah ziemlich groß aus. Aber gut. Dann wurde heute mal anprobiert. Ich schlüpfte in die Hose und merke schnell: Nä! Das wird nix. Die ist viel zu weit. Freudig erregt hing ich die Hose zurück und suchte nach einer kleineren Größe. Und fand nix! Etliche Nummern größer war kein Problem. Aber aus einer Hose Zwei nähen wollte ich nicht. Ich zur Textilfachverkäuferin um zu fragen, ob es die Hose auch noch kleiner gibt. Sie guckte sich die Buchse an und was sie dann sagte, war unfassbar! Sie sagte: "Tut mir Leid. Hier bei den Übergrößen nicht. Gucken sie mal unten in der Damenabteilung." Ich musste grinsen. Nicht weil ich mich freute, sondern weil ich sie nicht ernst nahm. Trotzdem guckte ich mal. Ab zu den Jeans. Eine Schöne war schnell gefunden. Dann der spannende Teil - die Größe. Und was soll ich sagen? Ich fand sie! Die Größe kleiner. Jetzt wollte ich es wissen und ging in die Umkleide. Spannung. Ich schlüpfte rein. Ich machte die Hose zu. Sie passte! Ich guckte mich drei Mal im Spiegel an. Ein Tränchen... Das letzte mal habe ich in der Damenabteilung eine Hose eingekauft, als ich 12 war. Und das nur, weil alles in der Kinderabteilung zu klein war. Ich habe noch nie so gerne eine Hose zur Kasse getragen. Es ist zwar die größte Größe der Damenabteilung, aber es ist nicht die Kleinste aus den Übergrößen. Und wisst ihr was? Das fühlt sich echt gut an. Aber auch total fremd und komisch. Das ist mein Problem. Ich muss mein Einkaufsverhalten umstellen. Ich find nix mehr bei den Übergrößen. Aber es gibt größere und schlimmere Probleme, oder? ;)

Dienstag, 12. Juli 2016

Ein Schwein ruft mich an. Doch keine Sau interessiert sich für mich!

Eigentlich dachte ich ja, dass die heutige Weltbevölkerung trotz aller Ausfälle wenigstens noch ein kleines Bisschen Erziehung genossen hat. Oder zumindest ein winziges Stück Anstand. Seit ich aber mein Berufsleben weitestgehend am Telefon verbringe (und das immerhin schon 10 Jahre lang), ist meine Hoffnung massiv gesunken. Ich betreue und berate Kunden am Telefon. Inbound. Das heißt, die Kunden rufen mich an um Hilfe zu erfahren. Leider gibt es da einige Typen, die den Respekt vor unserem Job nicht ganz so zeigen. Ich zähle mal auf...

1. Typ: Der nörgelnde Handytelefonierer
Ich glaube wir alle wissen schon aus dem privaten Bereich, dass die Handyverbindung nicht immer die Beste ist. Selbst wenn jemand aus seinem Büro vom Handy aus anruft, ist es teilweise sehr schwer den Kunden zu verstehen. Sagt man dann etwas oder bittet darum einen Satz nochmal zu wiederholen, kommen oft so schöne Sätze wie "Hören sie mir doch zu!" So lieber Kunde. Das habe ich getan. So gut es eben ging, war meine Aufmerksamkeit voll auf dich gerichtet. Ehrlich! Aber wenn ich nur einen Satz verstehe wie "Ich .... krrrrhchhhh .... darum .... blubbkrrrzdfz .... Geld .... grkkkkzzpfff .... wichtig! Sehr wichtig!", fällt es mir verdammt schwer den Zusammenhang zu verstehen.

Dieser Typ ist nervig aber leider Alltag. Und die meisten Kunden sind auch wirklich verständnisvoll. Von daher ist er noch akzeptabel. Aaaaber: Es gibt eine Steigerung von nörgelnden Handytelefonierern! Ohja!

2. Typ: Der autofahrende Handytelefonierer
Direkt nach meiner Begrüßung höre ich es schon: Das Rauschen und Widerhallen meiner Stimme. Und sofort wird mir klar, das hier wird ein sehr anstrengendes Telefonat. Anscheinend gibt es wirklich Leute die ganz wichtige Dinge unbedingt bei 180 km/h auf der Autobahn besprechen müssen. Ganz stilvoll mit Freisprecheinrichtung. Das ist ungefähr so angenehm wie sich im Windkanal zu unterhalten mit nachplapperndem Papagei auf der Schulter. Zumindest stelle ich mir die Geräuschkulisse dort genau so vor. Da ist es ehrlicher Weise teilweise sogar echt erleichternd, wenn der Kunde seine Kundenummer nicht zur Hand hat und sich später nochmals melden muss. "Kundennummer? Neeeee. Hab ich kkkrrrzchkl nicht. Ich kkrrrbbhf im Auto! Krrpgbnjkkfff Name ist Horst Müller. Rrrrcccktffg danach suchen???? Piep. Piep. Piep." und das Funkloch hat uns beide erlöst. Hat der Anrufer aber seine Kundennummer dabei, gibt es eine Kombination aus Typ 1 und Typ 2. Das ist gelinde gesagt sehr sehr unschön.

Typ 3: Der kauende Schmatzer
Dieser Typ verhindert keine sachgerechte Beratung. Aber er ist ein Paradebeispiel für fehlenden Respekt. Ich weiß, dass Zeit in der heutigen Welt allgemein knapp ist. Da muss schon mal ein Gespräch in der Mittagspause sein. Das erklärt by the way auch den autofahrenden Telefonierer. Aber muss ich denn während des Gesprächs ein Schnitzel oder sonst was kauen? Selbst Kaugummi kauen ist am Telefon für die zweite Person total ekelhaft. Ich habe nichts gegen einen kleinen Schluck Kaffee zwischendurch. Ich selbst habe mir in jahrelanger Arbeit ein am Telefon unauffälliges und unhörbares Trinken antrainiert ;) Vollstes Verständnis für den kleinen Schluck zwischendrin. Aber ein dauerndes Schmatzen und am besten noch mit vollem Mund reden ist unhöflich, ekelerregend und absolut indiskutabel! Ich meine, setzt ihr euch bei eurem Bankberater auch schmatzend an den Tisch und beißt genüsslich in einen Döner, während ihr über ein Darlehen sprecht und Geld fordert? Nein? Gut! Warum dann bei mir am Telefon. Gleiche Situation wie beim Bankmenschen um die Ecke, nur ohne Blickkontakt. Soviel zum Thema Respekt meinem Beruf gegenüber.

Typ 4: Der Pinkler
Der Typ tut genau das, was der Name verrät. Ich weiß beim besten Willen nicht, was die Menschen dazu antreibt, während eines Telefonats ihr Geschäft zu verrichten. Ich meine, gut, während der Warteschleife hat man genug Zeit noch schnell auf´s Örtchen zu springen, aber warum um alles in der Welt nimmt man dann sein Telefon mit? Wenn man wirklich muss und es gar nicht anders geht: Lautsprecher an, schnell Pipi machen und ab ans Telefon zurück. Ansonsten vielleicht einfach die 15 Minuten einhalten. Eine wirklich wahre Geschichte: Ich klickte auf "Bereit" um ein neues Gespräch anzunehmen. Der Call kam auch sehr schnell rein, also war viel los in der Warteschleife. Noch vor der Begrüßung, hörte ich ein Plätschern. Ich nannte meine Grußformel und der Anrufer hielt ein. Während des Telefonats, hörte ich es immer wieder Plätschern, wenn ich redete. Er befand sich also immer noch im gekachelten Bereich seiner Wohnung. Anscheinend dachte der Kunde, ich würde das nicht mitbekommen. Nach der Verabschiedung legte ich nicht auf, denn der Kunde beendet das Gespräch und sollte demzufolge auch als erster auflegen. Tat er aber nicht. Ich hörte, wie er die Spülung betätigte und der Anrufer stöhnte, das sei das längste Pinkeln seines Lebens gewesen -wahrscheinlich auch das Einzige mit einer unfreiwilligen Zuhörerin. Absolut peinlich!

Apropos Stöhnen. kommen wir zum Highlight der Kundentypen.

Typ 5: Der Wi***er
Der Name ist hart, aber er ist Programm. Ich nenne ihn auch fast liebevoll "den Palmwedler". Dieser Typ ist selten, aber nicht so selten wie man glaubt. Nochmal eine absolut wahre Geschichte: Ich arbeitete noch bei einem großen Telefonanbieter, als mich ein Kunde anrief, der wissen wollte, ob es an seinem neuen Wohnort DSL 16000 gibt. Also fragte ich nach der Anschrift und gab sie in mein Prüfsystem ein. Während der Prüfung hörte ich ein Stöhnen. Oooookay... Wer weiß, was der Kunde da gerade tat. Dass meine Vermutung harte Tatsache war, wurde mir klar, als ich auf einmal ein Stöhnen hörte "Ohja du geile Sau!". Man muss dazu sagen, dass ich im 2. Lehrjahr war und gerade einmal 17 Jahre alt. Heute würde der Anrufer von mir die passende Ansage bekommen, aber damals machte ich einfach meinen Job weiter - mit einem bedrückenden Gefühl in der Magengegend. Zum Glück legte der Kunde auf, als er "fertig" war - und ich war es auch. Meine Stimme wurde unfreiwillig als Wichsvorlage genutzt! Was um alles in der Welt fällt diesen perversen Menschen ein? Ja gut, die Hotline ist kostenlos und genügend Frauen gibt es dort auch. Aber muss das wirklich sein? Wenn diese Typen wirklich das Bedürfnis haben, sich einen am Telefon runterzuholen, dann sollen die doch bitte auch eine dieser "RUF-MICH-AN-Nummer" wählen und keine unschuldigen Mädels da mit reinziehen, die evtl. mit der Situation heillos überfordert sind. Würde man 5€/Minute für solche Gespräche nehmen, es würde sich wirklich lohnen. Diese Anrufer zeigen nicht nur das nicht vorhandene Quäntchen Respekt vor meiner Berufsgruppe, sondern diskriminieren auch noch Frauen. Ärmer geht es kaum noch. Da sind mir Heiratsanträge oder Urlaubeinladungen von Kunden deutlich lieber. Die kann man noch mit Humor nehmen und die Kunden sind meistens echt nett.


Wenn ihr also das nächste mal bei einer Hotline anruft, begegnet den Menschen bitte genauso, wie ihr allen anderen Menschen auch begegnet - mit Respekt. Nur weil wir euch nicht sehen, heißt es nicht, dass ihr euch benehmen könnt wie absolute Vollhonks! Die meisten Gespräche sind echt super. Liebe Opis, die einem einen Schwank aus ihrer Jugend erzählen und nachher eine Kaffeeeinladung aussprechen, oder nette Kunden mit denen man einfach lachen kann, sind klasse. Leider werden diese Gespräche aber immer weniger und viele entpuppen sich einfach nur als Eskalationsgespräch. Schade eigentlich :)