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Donnerstag, 9. Mai 2013

Extrem verwirrend und unglaublich anstrengend! - Das Buch vor dem Film

Ihr Lieben. Ich bin ja immer wieder offen für Neues. Ich probiere gerne Dinge aus. Und auch beim Lesen bin ich gerne experimentierfreudig. Aber das, was ich mir mit dem letzten Buch angetan habe, grenzte zeitweise echt an Quälerei. 

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Es gab in letzter Zeit Momente, in denen es mir nicht so gut ging. Viele Veränderungen, die nicht nur positiv waren, wirkten sich auf meine Stimmung aus. Ich schaue dann gerne mal einen Film oder lese ein Buch zur Ablenkung, obwohl das meistens nicht funktioniert, weil ich dann emotional so in der Geschichte drin bin, dass ich anfange zu weinen oder zu oft an das denke, was gerade in meinem Leben schiefgeht. Trotzdem wollte ich ein wenig "Ablenkung" und ließ mir einen Film empfehlen: "Extrem laut und unglaublich nah".
Da ich aber wusste, dass dieser Film eine Buchverfilmung ist, nahm ich mir vor, zuerst das Buch zu lesen. So tüdelte ich in die Mayersche und kaufte es.


Extrem laut und unglaublich nah von Jonathan Safran Foer
Fischer Verlag, 9,95€

Kurz zur Geschichte: Oskar ist ein besonderes Kind. Er ist verdammt klug, erfinderisch, neugierig, eben speziell. Und Oskar hat eine verdammt enge Beziehung zu seinem Vater. Als dieser am 11. September in einem der Twintower ums Leben kommt, stürzt Oskar in ein Loch. Aber er findet in den Sachen seines Vaters einen Schlüssel in einem Briefumschlag auf dem der Name "Black" steht. Oskar will wissen, was es mir dem Schlüssel auf sich hat und begibt sich auf eine lange Reise durch New York, um herauszufinden  wozu der Schlüssel gehört und um auf der Suche trotzdem noch ein bisschen länger mit seinem Vater verbunden zu sein... 

Frohen Mutes begab ich mich auf die Couch und fing an zu lesen. Aber das Erste, was mir vor die Augen kam, waren Bilder. Fotos. Fotos von einem Schloss, von Vögeln und von einer Hausfassade. Was das mit dem Buch zu tun haben sollte, war mir nicht ganz bewusst. Aber gut, das ist ja meistens bei den Büchern am Anfang und so blätterte ich weiter. Die nächsten 30 Seiten waren dann voll mit Empfindungen von Oskar. Mit seinen ziemlich wirren Gedankengängen und mit einer Mission von seinem Vater. Papa behauptete, es gäbe einen sechsten Bezirk in New York, der aber weggeschwemmt wurde. Aber es gäbe noch genügend Hinweise auf diesen Bezirk und so schickte er Oskar auf die Suche. Auch der "Unfall" vom World Trade Center wird sehr schnell thematisiert. Vielleicht zu schnell bei insgesamt 437 Seiten. Aber gut, das ist ja Geschmackssache und wenn der Rest gut geschrieben ist, kann man auch schnell zur Sache kommen.
31. Seite. Jetzt soll wohl das 2. Kapitel beginnen, aber richtige Kapitel gibt es in diesem Buch nicht. Überschrift des nächsten Abschnittes ist "Warum ich nicht bei Dir bin. 21.Mai 1963". Ich dachte mir nur HÄH??? Aber gut, ich war am Anfang des Buches und warum es so wirr geschrieben ist, wird sich bestimmt später zeigen. Doch so langsam verlor ich schon die Lust am lesen. Das zweite "Kapitel" war ein Brief von einem Mann an seinen Sohn - offensichtlich hatte dies im ersten Augenblick keinen Zusammenhang mit der Geschichte von Oskar und seinem Vater. Ich war ernsthaft verwirrt und hatte absolut keine Lust mehr zu lesen. Also legte ich das Buch nach 51 Seiten schon wieder zur Seite. 
2 Tage später nahm ich es doch wieder zur Hand. Man kauft sich ja nicht umsonst ein Buch und will es ja durchlesen! Aber ich wurde wieder verwirrt: Bunte Krackelzettel. 



Oskar hat diese Zettel in einem Schreibwarengeschäft gefunden und findet überall den Namen seines Vaters. Der Autor hatte sich also dazu entschieden, diese Tatsache nicht nur zu beschreiben, sondern bildlich darzustellen. Das mag vielleicht einigen gefallen - mir nicht. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich auf etwas besonderes achten muss bei den Bildern. Irgendetwas, das für die weitere Handlung wichtig ist und ohne die ich nicht weiterkomme. Ich fühlte mich wie ein Kind, das gerade eines dieser "Was wäre wenn Bücher" liest, bei denen man selbst entschieden kann, wie es weitergeht. Dieses Buch hat sehr viele Bilder. Nicht nur Bilder! Der Mann, der Anfangs einen Brief schreibt, kommt häufiger vor. Und nicht nur die Briefe, die er schreibt! Nein. Auch sein Tagebuch. Irgendwann gehen ihm dann die Seiten aus und er muss immer enger schreiben, damit das Papier des Tagebuches noch ausreicht. Auch das wurde sehr bildlich dargestellt: 







Nein, das ist kein Druckfehler! Das ist Absicht!

Erst kurz nach der Hälfte des Buches, machte es Spaß zu lesen. 



Ich war in der Geschichte und konnte endlich alles nachvollziehen. Ich hatte es verstanden!! ... Bis auch Oskars Oma anfing Briefe zu schreiben und die an irgendwen schickte. Ich war am Boden zerstört. Drei Handlungen die allen Anschein nach nichts miteinander zu tun haben (erst kurz vor Schluss wird es klar), in einem Buch, das in einem sehr anstrengendem Schreibstil verfasst ist. Das ist mir ehrlich gesagt zu viel. Klar muss man bei Büchern denken! Aber ganz ehrlich, wenn ich ein Buch lese, möchte ich irgendwann verstehen um was es geht! Bei den Teilen in denen es um Oskar geht, war ich sehr angetan. Es machte Spaß zu lesen! Aber sobald wieder ein (Entschuldigung) doofer Brief um die Ecke kam, bei dem man erst einmal verstehen musste, ob er von der Oma oder von diesem Mann geschrieben wurde, war ich genervt. Ich hatte absolut keine Lust mehr! Und das habe ich selten bei einem Buch. Das Buch hat, wie schon genannt, 437 Seiten (exklusive einiger Bildseiten am Schluss) und normalerweise schaffe ich so ein Buch in maximal 2-3 Tagen. Wenn ich da an meine David Safier Bücher denke, die ich auch mal an einem Tag verschlinge... Für "Extrem laut und unglaublich nah", habe ich ich extreme und unglaubliche 4 1/2 Wochen gebraucht. Einfach aus dem Grund, dass ich ewig Pausen dazwischen gemacht habe und weil ich auch nicht viel an einem Tag gelesen habe. 

Die Geschichte ist gut! Sehr gut eigentlich! ABER: Wenn man als Autor, diese wunderbare Geschichte so kompliziert in dem Buch verpacken muss, dass man irgendwann einfach kapitulieren will und das Buch bei Ebay verscherbeln (ich liebe Bücher! Und ich stelle mir alle ins Regal, normalerweise!), dann nützt die schönste Story nix mehr und dann muss ich für mich sagen: Thema verfehlt. Setzen, 4-. 
Der Stil mag vielen gefallen - mir absolut nicht! Ich bin immer froh, wenn ich ein Buch geschafft habe. Aber bei diesem Exemplar, war ich regelrecht erleichtert... Das Buch ist absolut nichts für mich. Schade!

Aber es gibt ja noch den Film :) Um den geht es dann beim nächsten Mal. Aber schon vorweg - der Film ist richtig gut!

Freitag, 19. April 2013

Experiment: Good bye Buch - Hello E-Reader?

Es gibt Dinge, bei denen hat man sofort eine Meinung. Sei es durch Vorurteile oder durch Tatsachen. Zucker ist süß. Erdbeeren rot. RTL ist Müll. Und für mich stand schon immer fest: E-Reader sind scheiße. Als ich damals in der Tube in London das erste mal Werbung für den Kindle sah, dachte ich mir schon "Was ein Blödsinn". Dabei bin ich bis heute geblieben. Und ich war mir sicher, wenn ich so ein Teil mal teste, werde ich in meiner Meinung nur bestärkt. Ich habe so ein Dingen getestet und (soviel kann ich schon verraten) ich wurde nicht bestärkt.

Dass ich mich wirklich mit dem Thema beschäftigte, hatte nur den Grund, dass meine sehr bücherverrückte Tante sich so einen E-Reader besorgt hat. Ihre Vorteile an dem Teil waren klar: Klein, flach, viele Bücher auf wenig Platz, Bücher einfach online ausleihen, leichter zu transportieren als ein Buch aus Papier, im Dunkeln lesen, ... Die Reihe der Vorteile hört nicht auf. Und ja, eigentlich finde ich die Reader auch praktisch. Aber es gibt zwei Argumente die so stark wirken, dass sie alle Vorteile zu nichte machen. Das erste Argument: Ich liebe Bücher! Ich liebe es das gelesene Buch ins Regal zu stellen. Bücher sind wunderschöne
Dekostücke. Das Hinstellen der Bücher fällt mit einem E-Reader weg. Natürlich kann man sich auch den Reader ins Regal stellen, aber mal ehrlich... Das zweite Argument: Das fehlende Feeling beim lesen. Ein Buch zu lesen bedeutet für mich immer schweres Papier in der Hand zu halten. Genussvoll zu blättern. Das Papier zu fühlen und zu riechen. Das klingt jetzt bestimmt total schmalzig, aber das ist mein voller ernst! Zudem sieht man bei einem realen Buch wie weit man schon gelesen hat. Der Erfolg ist ersichtlich. Und je weniger Seiten am Ende noch in der rechten Hand übrig sind, desto größer der Erfolg. Jetzt hält man mit einem E-Reader nur ein Stück Plastik, Metall und Glas in der Hand. Das Blättern geschieht durch ein Tippen oder Wischen mit einem Finger. Also für mich sieht Buchromantik anders aus. Diese Tatsachen haben mich immer von E-Readern ferngehalten. Jetzt wurde mir aber ein anderes Argument genannt das für die Reader spricht und meine Gegenargumente wieder etwas neutralisieren. Und ja. Ich musste danach kleinbei geben. "Aber wie ist es denn mit Musik? Kaufst du noch CDs? Du lädst die doch bestimmt auch online und stellst sie dir nicht mehr ins Regal." Ähm... Ja. Ertappt. Stimmt! Ich war früher auch gegen das Downloaden von Musik und Filmen. Und jetzt kaufe ich nur noch ab und zu DVDs. CDs finden quasi gar keinen Weg mehr in meine Wohnung.

Oooookay. Also gut. Ich schaue mir diesen E-Reader mal an. Zuerst habe ich mir den Kindle auf mein Handy geladen. Mein Handy ist recht groß und somit hoffte ich auf ein fast reales Readervergnügen. Beim Kindle gibt es allerhand gratis Bücher. Sakrileg war auch kostenfrei! Hui. So ein großes und bekanntes Buch für 0€. Also habe ich es mir runtergeladen. Los gehts. Ich wischte elegant mit einem Finger durch die Seiten und las. Erster Eindruck? Hmmm... Naja. Nee. Gefällt mir nicht. Aber vielleicht lag es nur daran, dass ich keinen puren E-Reader genutzt hab sondern mein S3. Na gut. Also bin ich mit der Bahn in die Stadt gefahren. Im Weltbild wurde auch sofort mit dem Tolino geworben. Kaum habe ich mich dem Ausstellungsstück genähert, kam auch schon eine Verkäuferin an die mir unbedingt so ein Teil andrehen wollte. Ey ernsthaft. Ich hasse sowas schon in diversen Elektromärkten wenn ich mir nur mal die Kaffeemaschinen angucken will. Und bisher war es in Buchhandlungen immer so, dass die Verkäuferinnen nur an der Kasse standen und einen in Ruhe stöbern ließen. Super! Jetzt ist das Dank der tollen E-Reader auch vorbei. Oder es ist nur der Hype um die neuartigen Teile. Ich verstehe sowieso nicht warum die Buchhändler auf die Vermarktung von den Teilen so viel Wert legen. Wenn irgendwann jeder einen Reader besitzt, werden doch keine Buchhandlungen mehr besucht. Man kauft die Bücher online und die Buchhandlungen sterben aus. Okay. Das ist jetzt etwas übertrieben, das sehe ich ein. Und ich war ja in dem Buchladen um mir tatsächlich einen E-Reader anzusehen. Der erste Eindruck war wie erwartet. Sieht aus wie ein Tablet-PC. Jetzt ließ ich die Verkäuferin mal machen. Sie reihte einen Vorteil nach dem anderen an. Klein, praktisch, leichter als Bücher, platzsparend, und so weiter. Bücher werden günstiger. Man braucht ja immerhin nicht mehr den Druck zu bezahlen sondern nur das Werk an sich. Ja. Dafür muss ich mir aber erstmal ein teures Gerät kaufen. Und 19€ für ein echtes Buch anstatt 15€ für ein eBook finde ich jetzt nicht viel teurer. Als ich dann mit meiner Buchromantik um die Ecke kam, hielt sie dagegen. Die Buchseiten auf dem Tolino sehen doch genau so aus wie Papier. Genau. So glänzend und digital sehen meine Buchseiten Zuhause auch aus... Und man könnte sogar im Dunkeln lesen, dank der Hintergrundbeleuchtung. Entschuldigung, aber ich habe eine Nachttischlampe um im Bett zu lesen. Und die Zeiten in denen ich heimlich im Bett unter der Decke lesen musste sind eindeutig vorbei.

Ihr müsst mir jetzt wirklich glauben. Ich habe echt versucht ohne Vorurteile auf diesen Reader zuzugehen. Es hat aber echt nicht funktioniert. Schon als ich ihn sah, da dachte ich mir "Och nö". Ich bleibe eindeutig bei meinen Büchern. Voll altmodisch. Voll langweilig und analog. Ich wurde also in meiner Meinung gegen E-Reader nicht bestärkt aber voll und ganz bestätigt. Und wisst ihr was mir aufgefallen ist? Ich fahre jetzt ja seit Monaten nur noch Bahn und Zug. Und ich sehe kaum Leute mit Readern. Bücher sind aber zahlreich zu finden. Denken etwa noch mehr Menschen so wie ich? Ich bleibe bei meinen Büchern und höre beim Lesen meine digitale Musik vom PC ;)